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Euro-Desaster – EZB-Chef: „Lieber heimlich doof – als unheimlich schlau“?!

mario draghiAnlässlich des heimlich-doofen  (oder doch unheimlich schlauen?) „Anfängerfehlers“ des EZB-Präsidenten (immerhin soll es ihm gelungen sein, Hollande so zu beeindrucken, dass dieser den ganzen Abend über bei der letzten großen „Krisensitzung“ der Troika angeschlagen und stumm vor sich hin saß) habe ich mir erlaubt, das Sprichwort einfach umzudrehen – korrekt heißt es:

„Lieber heimlich schlau – als unheimlich doof“.

Ich überlasse es Ihnen, werte Leser, ob sie nun die 1. Variante – oder das Originalzitat als korrekt verwendet für den EZB-Präsidenten und seine Mit-DirektorInnen erachten. Aber wie oft im realen Leben (ja, das „Leben da draußen“ ist den von Krisensitzung zu Katastrophenmeeting hechelnden „Euro – und die Welt-Rettern“, völlig fremd geworden – ihre Parallelwelt wirkt auf normale Bürger wie eine Raupe, die nicht aus dem selbst gestrickten Kokon schlüpfen will) kommt es zu Schlüsselsituationen, die die über Jahrzehnte mühsam aufgebaute – vermeintliche – Kompetenz mit einen Schlag vernichtet: und dies nachhaltig und gnadenlos!

Der Deutsche Irrweg

http://www.tagesspiegel.de/meinung/europa-in-der-krise-der-deutsche-irrweg/8062308.html
… so titelte der Tagesspiegel vom Montag, 14. April, höflich und – ja versteckt, möchte ich sagen – die B o m b e ob des „Anfängerfehlers“ Draghis, für den jeder Studiosi in den ersten Semestern Volks- oder Betriebswirtschaftslehre durchgerasselt wäre!

Dass das Duo Merkel/Schäuble (mal davon abgesehen, dass in Südeuropa der „hässliche Deutsche“ mit einem weiblichen Gesicht daherkommt) verantwortlich für den knallharten Sparkurs ist – der trotz der in jedem Fleischhauerwochenblatt herbei geschriebener „Erfolge“ – noch NIE und in keinem Land zum Besseren (Gesundung der Wirtschaft bei gleichzeitigem Schuldenabbau) für die Menschen führte, ist evident. Der geniale Ökonom, J. M. Keynes beschrieb diesen IRRWEG anhand eines Vergleichs:

„Wenn eine einzelne Person in einem vollbesetzten Kino aufsteht, kann sie besser sehen. Machen das alle Besucher nach, sieht keiner besser, obwohl jetzt alle stehen müssen“!


Das Phänomen,  dass auf volkswirtschaftlicher Ebene eben nicht „das Sparen der schwäbischen Hausfrau“ (Westerwelles Offenbarungseid der ökonomischen Unkenntnis!) Erfolg hat, sondern  dass wenn ein Wirtschaftssektor (Staat) seine Ausgaben reduziert dies bei einem anderen (Haushalte ) zu niedrigeren Einnahmen führt, kennen die Studierenden der ersten Semester unter dem Begriff „Sparparadoxon“.. Wenn dieser Bereich sodann – klarerweise – weniger konsumiert und in weiterer Folge die Unternehmen weniger investieren, was letztendlich zu geringeren Steuereinnahmen des Staates führt und - wenn dieser wiederum seine Ausgaben kürzt – letztendlich die Staatsschulden steigen und nicht sinken - wie Merkel/Schäuble + Draghi uns dies über die TV-Anstalten und den gleich geschalteten Mainstream-Medien als auch den Boulevardzeitungen verklickern wollen – zeigt die Erfahrung seit nunmehr 5 Jahren: das Ergebnis führt direkt in die Depression!


Wie verheerend diese Auswirkungen sind, haben letzte Woche internationale Organisation mit der „steigenden Gefahr sozialer Unruhen“ elegant aber verharmlosend – mit Verlaub: soziale, bürgerkriegsähnliche Zustände sind seit Jahren in Griechenland und Portugal die Tatsache – umschrieben.


Rolf Hochhuth´s „Aufruf zur Revolution“! 


In einer Talk-Show des begnadeten und spitzzüngigen Harald Schmidt zeichnete Herr Hochhuth (er berief sich zuvor, was die wirtschaftliche und soziale Entwicklung betrifft, auf den kürzlich verstorbenen Ottmar Schreiner, SPD-Gewissen) folgende Entwicklung auf: (ab Min. 5.10)
„Ich glaube es ist die Forderung unserer Zeit,  wenn wir … die Generation Ihrer Kinder und meiner Enkel… wenn die nicht eine SOZIALE REVOLUTION lostreten, dann wird die EU – deren ganz großes Verhängnis im Buch von Ottmar Schreiner herausgestellt wird – zugunsten der Wirtschaft den Einzelnen immer mehr entrechten, das Hauptproblem unserer Epoche! Das kann nur auf einem gewaltsamen Wege revidiert werden und nicht durch parlamentarische, freundschaftliche Beschlüsse, die immer liebenswürdig sind – und niemals etwas bringen!“


Draghis „Anfängerfehler“  - oder doch bewusste Täuschung?

Nachdem beim letzten Meeting Hollande den Sparkurs der „Eisernen Lady-Merkel“ hart kritisierte, fühlte sich Draghi – mal ehrlich: ER ist der Alleinherrscher des Geldes und hat über die Staatsschulden der Euroländer eine unheimliche Machtfülle, die er in der „Zypern-Rettung“ (die knapp eine Woche später schon wieder nachgebessert werden musste !) eiskalt und knallhart ausnutze – berufen, dem französischen Präsidenten in die Parade zu fahren.

„Es gebe, erklärte er bei einem Vortrag nach dem Abendessen, innerhalb der Eurozone zwei Arten von Ländern: Jene mit einem Überschuss im innereuropäischen Handel und solche mit einem Defizit. Und nur letztere seien das Problem. Denn dort, in Spanien, Italien und Frankreich seien die Löhne seit dem Euro-Start weit schneller gestiegen als die Produktivität, also die Wertschöpfung pro Arbeitseinheit. Darum seien diese Länder nicht wettbewerbsfähig, darum fehle ihnen Wachstum und steige ihre Verschuldung. Und damit es auch jeder verstand, hatte er Schaubilder verteilen lassen: Da standen bei den Verliererländern steil in die Höhe schießende Lohnkurven über nur leicht steigenden Linien für den Fortschritt bei der Produktivität. Bei Deutschland dagegen liefen auf seinem Bild beide Linien bis zur Finanzkrise annähernd parallel. Folglich müssten die Defizitländer ihre Arbeitsmärkte reformieren, sprich, die Lohnkosten senken, verkündete Draghi. Besonders hoch sei der Reformbedarf in Frankreich. Daraufhin, so kolportierten Teilnehmer der Runde, soll Hollande nur noch betreten geschwiegen haben“ “ berichtete der Tagesspiegel.


Draghis „Religion“: Die Löhne müssen runter !

euro desaster draghi 1

Quelle:   http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/eurozone-die-gespaltene-waehrungsunion-12121034.html


Nun - Draghis Überrumpelung Hollandes bestand in einem arglistigen  Trick, der sicher nicht unter „Versehen“ oder politischer Naivität abzubuchen ist. Der stets arrogante EZB-Chef hat einfach Äpfel mit Kürbissen verglichen, indem er die Produktivität r e a l berechnete (also inflationsbereinigt) – die Lohnentwicklung jedoch n o m i n e l l dieser in der Grafik gegenüberstellte: das Ergebnis führte zu einer Darstellung, die die Lohnsteigerung  „explosiv ansteigend“ darstellte – währenddessen sich die Produktivität gemächlich entwickelte.  Besonders gravierend ist dies im direkten Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich zu sehen, was zu einigen giftigen Kommentaren der „wohlgefühlten Ökonomen-Journaille“ querbeet durch die deutsche Medienlandschaft führte und Frankreich umgehend als DAS Problem der Eurozone an die Wand genagelt wurde.  Dass dieser „verlogene Befund“ aufgrund der getürkten  Grafik unter Anwendung der korrekten und für beide Parameter - Produktivität und Lohnentwicklung – ein ganz anders Bild zeigen und auch zu komplett anderen Schlussfolgerungen führen würde, war dem ehemaligen Goldman Sachs-Mann Draghi (der natürlich nie, I WO…, für die ebenfalls „getürkten Ziffern“ Griechenlands verantwortlich war) sicher klar.

Die Währungsunion sei „gespalten“ berichtet die FAZ am 19.März und publizierte auch die o.a. Abbildung, o h n e diese jedoch auf sachliche Korrektheit zu prüfen: wieso auch, alles was von der EZB kommt ist in deutschen Wirtschaftspostillen automatisch „sakrosankt“! Auch der folgende Kommentar wurde einfach mal so losgelassen –Hugh: Draghi hat gesprochen!  „Das zeigt etwa der Vergleich von Deutschland mit Frankreich und Italien. In Frankreich stiegen die Löhne doppelt so stark; in Italien blieb die Produktivität fast stehen. Die Lösung könne nicht sein, dass gesunde Länder wie Deutschland mehr ausgäben. Die Schere zwischen Lohn und Produktivität müsse geschlossen werden, indem andere Länder die Arbeitskosten senken. Draghi sagte ausdrücklich, wo der Reformbedarf besonders groß ist: in Frankreich. Hollande schwieg.“

In Österreich sind die öffentlichen Auftritte des früheren Bundeskanzler Schüssel - falls sie es nicht wissen sollten: unter seiner „Ära“ tummelten sich genau jene korrupten Politiker, die derzeit en masse vor Gericht gestellt werden – zu einer Seltenheit geworden. Viele werden ihn wohl als jene unsympathische Fígur in Erinnerung haben, der für die „Ver-Belusconisierung“ Österreichs steht.Vor ca. 2 Wochen trat er in einer Diskussion im ORF auf und präsentierte,  vollmundig und schmallippig wie immer,  genau die Grafik des Herrn Draghi – oder soll ich Herr „Tragisch“ sagen?

Tja – SO wird Politik gemacht … mit arglistigen Lügen, nur um die totale Machtgeilheit verbunden mit kollektiver (?) Unfähigkeit auf Kosten von 99% der Menschen so lange wie möglich zu behalten!


Korrektur des „dilettantischen Fehlers“ des EZB-Präsidenten

Nach der Korrektur der Grafiken (siehe unten) tritt auch die machtbesoffene und diktatorische Politik vom deutschen EU-Desaster-Duo – Merkel / Schäuble (den „Handlanger Draghi“ lass ich mal außen vor!) - zu Tage:  die richtig Abbildung zeichnet genau das Gegenteil der bisherigen „Behauptungen“ der EU-Troika auf, nämlich dass

  • sich die Lohnentwicklung Frankreichs PARALLEL zur Produktivität entwickelte und nicht – wie seit Jahren irriger Weise behauptet Frankreich „zu teuer sei“ und an Wettbewerbsfähigkeit leide
  • und dass in Deutschland die Lohnentwicklung weit weniger als die Produktivität stieg , d.h. der den Arbeitnehmer zustehende Wohlstandsanteil wurde – systematisch durch Lohndumping – kleiner!

 Allein durch diesen Vergleich wird die „ideologisch verbrämte Wirtschaftspolitik der Eu-Troika“ als Religion, ja man kann sie auch als DIE LÜGE bezeichnen, enttarnt. Der sich durch eine Lohnentwicklung weit unter jener der Produktivität ergebende Preisvorteil, ist/war einer der wesentlichen Gründe für die immensen Exporterfolge Deutschlands – auf Kosten der südeuropäischen Länder. Diese trieb diese einseitige Ausrichtung in die Verschuldung ihrer Volkswirtschaften im Ausland – anders gesagt:


der Exportüberschuss Deutschlands = die Importdefizite Südeuropas !

 

euro desaster draghi 2 euro desaster draghi 3

Quelle:     http://www.jjahnke.net/rundbr98.html#2905

 

Merkel / Schäuble / Draghi: Umverteilung von unten nach oben ist die einzige Maxime!

Mit der „Verwechslung von real und nominell“ hat die EU-Troika nicht nur ihr wahres Gesicht -  nämlich eine total hinterhältige Politik, die Millionen Menschen ihrer Ersparnisse, Einkommen, Gesundheit vor allem aber auch ihrer Zukunftschancen (nicht nur der jungen Menschen unter 25 Jahren) beraubt – offenbart!

Nein – Draghis Anfängerfehler war nicht doof und auch nicht unheimlich schlau…, da sich solche Manipulationen so schnell herumsprechen, wie die sexuellen Eskapaden des früheren IWF-Chefs. Na,  sie wissen schon wen ich meine. Wer es bis dato (noch immer) nicht wahrhaben wollte - auch mal ganz offen gesagt: wer kann ob dieser menschenverachtenden Machtgeilheit diesen Politiker ihnen auch nur einen öffentlich ausgesprochenen Satz glauben (?) -  der dürfte nun wohl einsichtig werden.

 

Und wenn nicht – dann ist sowieso der berühmte „Hopfen und das dazugehörige Malz“ verloren!

 

P.S. Alfred Selacher, Schweizer Lebenskünstler, definierte Europa wie folgt:

 

„Europa – gefesselte, soziale Verklumpung, Machtgeilheit fusioniert mit Ohnmacht.“

Kommentare   

 
R. Kaltenböck-Karow
+1 # R. Kaltenböck-Karow 2013-04-25 10:28
In der Tat ein guter Artikel und eine richtige Beschreibung. Ich als Alteuropäer bliebe Anhänger Europas, bekämpfe jedoch diese nationalergoman ischen Politiker, die Europa an die Wand fahren!
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